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Werfenweng. Abschlussbericht zur Konferenz „Mobilität & der mobile Mensch“ am 23. - 24. Juni 2016

Mobilität und mobile Menschen, lebenslanges Lernen und ausheimische BürgerInnen. Die österreichischen Zukunftsorte fokussierten im Rahmen des transnationalen LEADER- Projekts „Da und Dort – Lernen im überregionalen/internationalen Netzwerk“ am 23. und 24. Juni 2016 in Werfenweng auf zukünftige Szenarien ländlicher Mobilitätsbedürfnisse und internationale Entwicklungen.

Die Plattform der innovativen Gemeinden Österreichs versteht sich als offenes Wissensnetzwerk, das lebenslanges Lernen in den Mittelpunkt stellt. Diese per 1. Juli 2016 dreizehn österreichischen Gemeinden rücken im sechsmonatigen Rhythmus aktuelle Problemstellungen aus den Bereichen Bildung, Mobilität, Energiewirtschaft, Baukultur und soziale Verantwortung in den Vordergrund ihres Tuns. Ziel dieser Halbjahres-Präsidentschaften, in denen jeweils ein oder zwei Zukunftsorte die inhaltliche Verantwortung übernehmen, sind die Entwicklung und Darstellung von Handlungs- empfehlungen und konkreten Projektideen, die es den ländlichen Kommunen nachfolgend ermöglichen, eigenständig zu handeln und zukunftsfit zu bleiben.

Von 23. bis 24. Juni 2016 standen in der schon seit 1996 sanft-mobilen Tourismusgemeinde Werfenweng (Salzburgerland) zwei Veranstaltungstage ganz im Fokus des zukünftigen Mobilitätsgeschehens. Ziel war es, das Big Picture der internationalen Entwicklungen auf diesem Sektor mit den Bedürfnissen der Menschen in ländlichen Gemeinden vor Ort zu betrachten, um nachfolgend mit den gewonnenen Erkenntnissen das breite Spektrum von Mobilität zukunftsweisend gestalten zu können. Neben der Gemeinde Werfenweng und dem örtlichen Tourismusverband engagierten sich auch der Regionalverband Pongau, mobilito, die LEADER-Region Lebens.Wert.Pongau und das internationale Netzwerk „Alpine Pearls“ im Rahmen dieser Veranstaltung.

Zum Auftakt am 23. Juni zeichnete Prof. Dr. Stephan Rammler (Buchautor: „Schubumkehr – die Zukunft der Mobilität“) im Bergrestaurant Auszeit am Rosnerköpfl ein radikales Bild zukünftiger Mobilität und Mobilitätsbedürfnisse und ging in diesem Kontext auf die Unterschiede zwischen urbanen Zentren und dem ländlichen Raum, als auch auf die zahlreichen Fragen der TeilnehmerInnen, ein. Am zweiten Veranstaltungstag standen zu Beginn einige provokante Thesen im Raum, die durch die Vorträge aus der Wissenschaft (Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Markus Mailer), dem Bundesministerium für Land- & Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Dr. Veronika Holzer, stellvertretende Leiterin Abteilung I/5 Mobilität, Lärm & Verkehr) und Beispielen aus der Shareconomy (UBER-Österreich, General Manager Andreas Weinberger) vertieft wurden.

Der Trendkurator aus St. Pauli, Oliver Puhe, zeigte in seiner Keynote eine beeindruckende audiovisuelle Reise in die Zukunft bzw. Gegenwart innovativer Tourismusmobilität und definierte darüber hinaus sechs maßgebliche Leittrends für die Mobilitätszukunft. Der Nachmittag stand zu Beginn im Zeichen von Tourismuskommunikation und Best-Practice-Beispielen (u.a. KONUS-Card Schwarzwald für Gästemobilität) bevor das Phänomen der „ausheimischen Bürgerinnen“ durch die Anwesenheit von zu- und weggezogenen Menschen aus dem Tennengau, Salzburg, Italien und Syrien näher betrachtet und die Frage formuliert wurde, warum und vor allem aus welchen Motiven Menschen überhaupt ihre Orte verlassen und dadurch Mobilität entsteht.

Da und Dort – Lernen im überregionalen/internationalen Netzwerk.

Die Zukunftsorte widmen sich im Rahmen des LEADER-Projekts in einem Schwerpunkt dem Beziehungsaufbau, der Pflege zu sowie dem Knowhow-Transfer mit Weg- und Zugezogenen BürgerInnen. Wir leben in einer Zeit mit einer unendlichen Zahl von Lebensmodellen. Viele Menschen sind äußerst mobil und ein oder mehrere Ortswechsel sind ein selbstverständlicher Teil vieler Biografien. Einem Großteil der Menschen fällt es daher auch schwer, mit dem Begriff "Heimat" einen (einzigen) Ort zu verbinden. Sie haben zwar einen Lebensmittelpunkt an einem bestimmten Ort (da), fühlen sich aber irgendwo anders „ausheimisch“ (dort). Sie wohnen, lernen, arbeiten und gestalten „da“, haben aber immer noch eine mehr oder weniger starke Beziehung zu „dort“. Dieses Projekt will sich den vielfältigen Aspekten des „Ausheimisch-Seins“ und ihrem Potenzial für die Gestaltung der Zukunft ländlicher Regionen widmen. Die Hauptrolle werden die Ausheimischen als Persönlichkeiten - mit ihren Geschichten, Motivationen, Erfahrungen, ihrem Wissen und ihrem Gestaltungswillen - spielen.

Gründung der „Denkwerkstatt Zukunft der Mobilität am Land Werfenweng“

Bürgermeister Dr. Peter Brandauer konnte am zweiten Veranstaltungstag bereits das Nachfolgeprojekt der Gemeinde Werfenweng vorstellen. Die Gründungsmotivation für die „Denkwerkstatt Mobilität“, die noch im Herbst 2016 aktiv werden soll, begründete der Ortschef dadurch, dass es zwar viele Veranstaltungen zum Thema gibt, aber derzeit keinen institutionalisierten Austausch von Wissenschaftlern, Experten und Anwendern/Umsetzern, die sich mit „Mobilität am Land“ beschäftigen.

Was ist die Denkwerkstatt und welche Ziele wurden formuliert?

  • Das Motto lautet „Visionen zeichnen und umsetzen“
  • In der „Denkwerkstatt Mobilität Werfenweng“ findet Dialog/Austausch/Vernetzung von Wissenschaft, Experten, Umsetzer/Anwender und Betroffenen (Gäste, Einheimische) im Bereich der „Mobilität im ländlichen Raum“ statt.
  • Die „Denkwerkstatt“ soll Fragen aufwerfen, diese in einer kreativen Auseinandersetzung bearbeiten, Forderungen stellen und Empfehlungen abgeben.
  • Ziel der „Denkwerkstatt“ ist es aber auch, konkrete Vorschläge für die Umsetzung von modellhaften Lösungen der „sanften Mobilität“ zu machen und auch konkrete Projekte zu initiieren – dabei bietet sich Werfenweng als Test-/Modellort an.
  • Die „Denkwerkstatt“ ist ein offenes Forum, das eine offene Kommunikation pflegt und Erkenntnisse an Interessenten weitergibt.


Das Gru
̈ndungsmanifest wurde unterzeichnet von:

  • Bürgermeister Dr. Peter Brandauer, Gemeinde Werfenweng
  • Tourismusdirektorin Alexandra Hosp, Tourismusverband Werfenweng
  • Geschäftsführerin Cathrine Schwenoha, LEADER Region Lebens.Wert.Pongau
  • Geschäftsführer Stephan Maurer, Mobilito & Regionalverband Pongau
  • Projektmanagerin Karmen Mentil, Netzwerk Alpine Pearls
  • Obmann Josef Mathis, Verein Zukunftsorte Österreich
  • Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Markus Mailer, Universität Innsbruck, Institut für Infrastruktur, Arbeitsbereich Intelligente Verkehrssysteme.


„Wir fühlen dorthin, wo der Schuh drückt und helfen den Gemeinden mit unserem Input sich selbst das Wissen anzueignen, um handeln zu können. Denn Zukunftsorte lernen stets von den Besten und agieren selbstständig, das ist unsere oberste Prämisse“, erläutert Josef Mathis, Obmann des Vereins, abschließend das ambitionierte Projektvorhaben, das auf drei Jahre ausgelegt ist und mit dem deutschen Projektpartner, der LAG Landkreis Miesbach in Bayern (17 Gemeinden), auch transnationale Dimension vorweisen kann.

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